Da Babys und Kleinkinder von Natur aus sehr neugierig sind, und ihre Umwelt mit allen Sinnen erfassen wollen, bleibt es nicht aus, dass sie alles anfassen und in den Mund nehmen.

Deshalb ist immer äußerste Vorsicht geboten, wenn es darum geht, was sich in Reichweite der kleinen Entdecker befindet.

Vor allem giftige und ätzende Substanzen wie Reinigungsmittel oder Medikamente kommen oft in ansprechend bunten Farben daher, was sie dadurch nur noch interessanter für eure Kleinen machen.

Während Verätzungen der Haut schnell ins Auge springen und behandelt werden können, ist das bei Vergiftungen meist nicht der Fall.

Erst wenn sich die Kleinen erbrechen müssen oder lethargisch werden, merkt man meist, dass etwas nicht stimmt, und zieht eine Vergiftung in Betracht.

Aber was ist zu tun, wenn doch einmal etwas passiert und euer Schatz sich vergiftet oder verätzt hat?

Warnsymbole für giftige und ätzende Substanzen

Vergiftungszentrale anrufen

Besonders wenn Personen, die keine kleinen Kinder haben, besucht werden, sollte man ein wachsames Auge auf die Kleinen haben, da Reinigungsmittel und andere giftige Substanzen oft frei zugänglich sind und nicht kindersicher aufbewahrt werden.

Hat euer Kind giftige Substanzen wie Reinigungsmittel, Pflegemittel, Chemikalien oder Medikamente zu sich genommen, solltet ihr zu allererst immer sofort eine Vergiftungszentrale anrufen!

Ihr bekommt dort ausgebildete Experten ans Telefon, die sich mit allen Giften auskennen und genau wissen, was im Einzelnen zu tun ist.

In Deutschland gibt es acht Kliniken, die eine Vergiftungszentrale eingerichtet haben, die sich auf Vergiftungsfälle spezialisiert haben und alle giftigen Substanzen wie ihre Symptome und Gegenmaßnahmen kennen.

Die Mitarbeiter dort stehen euch beratend zur Seite und können euch sagen, wie giftig die eingenommene Substanz tatsächlich ist, wie ihr eurem Kind helfen könnt und ob ein Besuch im Krankenhaus notwendig ist.

Die Vergiftungszentralen sind 24 Stunden täglich erreichbar. Nachfolgend haben wir für euch die Vergiftungszentralen und ihre Telefonnummern in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelistet:

  • Berlin 030-19240
  • Bonn 0228-19240
  • Erfurt 0361-730730
  • Freiburg 0761-19240
  • Göttingen 0551-19240
  • Homburg 06841-19240
  • Mainz 06131-19240
  • München 089-19240
  • in der Schweiz 145
  • in Österreich 01-4064343

Hinweis: Die Vergiftungszentralen sind nur telefonisch zu erreichen und beantworten keine E-Mails!

Wichtige Angaben beim Anruf bei der Vergiftungszentrale

Die Toxikologen werden euch am Anfang ein paar Fragen stellen, auf die ihr vorbereitet sein solltet:

  • Wie viel hat euer Kind von dem Gift eingenommen?
  • Wie heißt das Gift? Wenn der Name zum Beispiel bei Pflanzen nicht bekannt ist, bitte eine genaue Beschreibung abgeben: Form, Farbe, Geruch.
  • Welche Vergiftungserscheinungen machen sich bei eurem Kind bemerkbar?
  • Wann genau wurde das Gift eingenommen bzw. wie viel Zeit ist seit der Einnahme schon vergangen?
  • Wie viel wiegt euer Kind, wie alt ist es, hat es gesundheitliche Beeinträchtigungen?

Es ist wichtig, dass ihr jede dieser Fragen so genau wie möglich beantwortet. Denn nur so können die Experten schnell herausfinden, um welches Gift es sich handelt und welche Gegenmaßnahmen eingeleitet werden müssen.

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Hochgiftiger Fliegenpilz

Gegenmaßnahmen bei Vergiftungen

Zuerst einmal: Handelt nicht vorschnell und kopflos! Während Erbrechen bei einer Vergiftung mit Schlafmitteln sinnvoll sein kann, ist es bei Vergiftungen mit Schaum bildenden Chemikalien oder ätzenden Stoffen wie Nagellackentferner, Waschbenzin oder Grillanzünder äußerst schädlich, den Mageninhalt hochzuwürgen.

Es besteht dabei die Gefahr, dass etwas davon in die Lunge gelangt, was zu einer dauerhaften Schädigung führen könnte.

Auf die Gabe von Milch sollte ebenfalls verzichtet werden, da das Fett in der Milch die Löslichkeit vieler Giftstoffe erhöht und die Aufnahme über den Darm erleichtert. Solch unbedachte Handlungen können euren Kleinen mehr schaden, als es ihnen nutzt.

Nach Absprache mit der Vergiftungszentrale kann je nach Vergiftung:

  • etwas Wasser zu Trinken gegeben werden, um die Speiseröhre und den Mundraum zu reinigen, Verätzungen zu verhindern und die giftigen Substanzen zu verdünnen.
  • ein »medizinischer Kohle-Drink verabreicht werden

Die Gegenmaßnahmen im Krankenhaus belaufen sich meist darauf, dass Wasser verabreicht wird, sowie je nach Gift Entschäumungsmittel oder medizinische Kohle.

Wichtig: Was viele nicht bedenken: Zigaretten und Zigarettenstummel sind äußerst giftig für Kleinkinder, wenn diese gegessen werden. Bereits eine einzige gegessene Zigarette kann eure Kleinen in Lebensgefahr bringen!

Vergiftung mit Spülmittel, Waschmittel Putzmittel

Da es sich hierbei um schäumende und ätzende Substanzen handelt, sollte bei einer Vergiftung mit diesen Flüssigkeiten niemals erbrochen werden.

Durch das Hochwürgen und die damit verbundene Magenkontraktion kann die Schaumbildung angeregt werden, der dann in die Lunge gelangt und bleibende Schäden verursachen kann.

Da Kleinkinder aufgrund des bitteren Geschmacks meist nur kleine Mengen von diesen Mitteln zu sich nehmen, besteht meist keine akute Lebensgefahr.

Der Magen ist durch die dicke Magenschleimhaut meist widerstandsfähig genug und kann sich vor Säuren oder Laugen schützen, da er ja auch selbst Verdauungssäfte mit Salzsäure erzeugt.

Hinweis: Alkohol ist für Kleinkinder ebenfalls gefährlich und sollte unzugänglich aufbewahrt werden.

Vergiftung durch Giftpflanzen

Dass Kleinkinder sich mit giftigen Pflanzen oder Beeren vergiften, kommt eher selten vor. Meist werden sie aufgrund ihres bitteren Geschmacks schnell wieder ausgespuckt.

Wie schwer eine Vergiftung ausfällt, hängt von eigen Faktoren ab:

  • von der Pflanze selbst
  • vom Standort
  • von der Jahreszeit
  • ob die Pflanze auf nüchternem oder vollem Magen gegessen wurde
  • welcher Teil der Pflanze wie gegessen wurde:
    • ob es zerkaut
    • oder nur heruntergeschluckt wurde

Welche extrem giftigen Pflanzen ihr auf jeden Fall aus eurem Garten entfernen solltet, könnt ihr hier nachlesen.

Verätzungen der Haut oder Augen

Hat sich euer Liebling hingegen mit ätzenden Chemikalien wie Pflanzenschutzmittel oder Rohrreiniger übergossen, solltet ihr einige Maßnahmen duchführen:

  • die durchtränkte Kleidung sofort entfernen
  • die betroffenen Hautstellen 15 Minuten lang mit fließendem, lauwarmem Wasser säubern
  • anschließend mit einem sterilen Verband verbinden

Das Gleiche gilt, wenn etwas in die Augen gekommen ist:

  • haltet das betreffende Auge auf und spült es aus
  • neigt den Kopf zur Seite und gießt dabei das Wasser in den inneren Augenwinkel, sodass es nach außen hin abfließen kann
  • gleichzeitig solltet ihr den Notruf anrufen, der das weitere Vorgehen mit euch abspricht

Vergiftungen und Verätzungen bei Kindern vermeiden

Damit es erst gar nicht zu einer Vergiftung oder Verätzung kommt, könnt ihr vorbeugende Maßnahmen ergreifen:

  • Bewahrt eure Medikamente und Putzmittel immer vor Kindern unzugänglich auf. Am besten eignet sich dafür ein verschließbarer Schrank.
  • Denkt daran, nach jedem Gebrauch die für die Kinder gefährlichen Substanzen wieder wegzuschließen, auch wenn ihr sie mehrmals am Tag benutzen solltet.
  • Vor allem bei bunten Pillen und Flüssigkeiten ist äußerste Vorsicht geboten, da sie von kleinen Kindern mit Süßigkeiten oder Säfte verwechselt werden. Deshalb sollten auch niemals Chemikalien in Lebensmittelverpackungen wie Saftflaschen umgefüllt werden.
  • Wenn sich eure Kleinen oft in anderen Haushalten wie zum Beispiel bei den Großeltern oder bei einer Tagesmutter aufhalten, überprüft vorab, ob auch dort alle giftigen Substanzen unzugänglich aufbewahrt werden.
  • Bevorzugt Reinigungsmittel mit kindersicheren Verschlüssen und dem Zusatzstoff Bitrex. Dies ist ein Bitterstoff, der dazu führt, dass die Chemikalien ungenießbar sind und gleich ausgespuckt werden.
  • Kontrolliert euren Garten und Balkon auf giftige Pflanzen hin und entfernt diese bei Bedarf.

Aber die wohl wirkungsvollste Maßnahme gegen Vergiftungen ist immer noch, den Kleinen frühzeitig klar zu machen, welche Substanzen giftig und nicht essbar sind und warum diese nicht gegessen oder getrunken werden dürfen.

Bildquellen

Fliegenpilz: 557453 – https://pixabay.com/de/fliegenpilze-roter-fliegenpilz-pilze-516281/
Gefahrensymbole: Clker-Free-Vector-Images – https://pixabay.com/de/warnungen-gefahren-gefahr-symbole-28709/

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